Sonntag, 17. Mai 2015

RTVG: Service Public oder Paywall



Im Vorfeld der Abstimmung um die Aenderung des Radio- und TV Gesetzes (RTVG) werden die Stimmen nach einer Einschränkung des Service Public - ja sogar nach einer Abschaffung der SRG - immer lauter. Da wird suggeriert, private Medienunternehmen würden alles besser und nota bene auch billiger machen.
Gewiss kann man darüber streiten, wieviele Kanäle die öffentlich-rechtliche SRG SSR betreiben soll. Ziel muss aber weiterhin sein, wertvollen Content zu produzieren und diesen möglichst allen Zielgruppen zugänglich zu machen. Dass der Trend hin zu online geht, hat man zuweilen auch bei der SRG erkannt, wird aber nicht zuletzt von Seiten der Verleger resp. der privaten Medienhäuser arg zurück gebunden.

Wird die Aenderung des RTVG am 14. Juni 2015 vom Souverän nicht angenommen, dürfte dies unweigerlich eine Schwächung der SRG nach sich ziehen. Zwar betonen einzelne Gegner, es gehe ihnen lediglich um die neue Steuer und die Existenz der SRG werde keinesfalls in Frage gestellt. Dennoch ist davon auszugehen, dass genau jene Kreise, welche aus einer Schwächung der SRG den grössten Profit ziehen könnten, dereinst in eben dieses Horn blasen werden.

Als selektivem Nutzer von Qualitätsmedien stehen mir heute die Newsportale von SRG SSR und von ausländischen Rundfunkanstalten öffentlichen Rechts wie ARD, ZDF, DeutschlandRadio oder Radio France, BBC etc. genauso zu Verfügung, wie die Portale seriöser Tages- und Wochenzeitungen. Dass letztere nach neuen Finanzierungsmodellen suchen, liegt völlig auf der Hand.

Die reine Finanzierung durch Werbung scheint im Internet nicht wirklich zu fruchten, weshalb zahlreiche Verlage die Schaffung einer Paywall ins Auge fassen, sofern sie diese nicht bereits eingeführt haben. Einerseits erhalten die Abonnenten einer Tageszeitung in vielen Fällen schon heute uneingeschränkten Zugang auf die Artikel des entsprechenden Presseerzeugnisses. Daneben werden früher oder später auch Möglichkeiten geschaffen, einzelne Artikel gegen Bezahlung einer Gebühr freizuschalten. Die "Winnipeg Free Press" beispielsweise ermöglicht als eines der ersten Presseerzeugnisse den Zugang zu ihren Artikeln für die Entrichtung einer Gebühr in Höhe von CAD 0.27, also 27 Kanadischen Cents, was umgerechnet rund 20 Rappen entspricht. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, mittels Abo von monatlich CAD 16.99 freien Zugang zu allen Artikeln zu erhalten, aber notabene eben nur von einer einzigen Newsquelle.

Am 14. Juni 2015 stimmen wir darüber ab, ob jeder Haushalt künftig eine Mediensteuer in Höhe von rund CHF 400 zu entrichten hat. Dies würde also einem täglichen Betrag von rund CHF 1.10 entsprechen, für welchen der gesamte Haushalt uneingeschränkten Zugang zu 3 TV Kanälen in deutscher Sprache, mehreren Radioprogrammen verschiedener Couleur und eben auch Online Content erhält. Wird die SRG hingegen abgeschafft - wie dies bestimmte Exponenten aus dem Lager der RTVG Gegner anstreben - stehen uns in der Schweiz in diesem Umfang de facto keine vergleichbaren Angebote mehr zur Verfügung, welche wir uneingeschränkt nutzen können. Würde ein Haushalt beispielsweise mehr als 6 Artikel eines Newsportals konsumieren, wären wir bereits bei höheren Kosten, welche für den Medienkonsum anfallen würden. Wohlbemerkt, dieses Rechenbeispiel stützt sich auf ein Angebot aus Kanada. Anzunehmen ist, dass die wenigen Verlage, welche überhaupt in der Lage sind, gut recherchierte Nachrichten zur Verfügung zu stellen, es sehr wohl verstehen werden, den Tarif für ihre Publikationen auf die hohe Kaufkraft unseres Landes abzustimmen.

Die Grundversorgung mit Information zu einem vernünftigen Preis ist ernsthaft gefährdet, wenn wir den Service Public dereinst schwächen werden.

Sonntag, 9. Februar 2014

Das Radio der Zukunft ist smart



Die Debatte um die digitale Zukunft des Radios ist wieder voll entfacht. Auch in der DAB+ Hochburg Schweiz, einem Land also, in welchem gemäss "gesicherten" Aussagen der SRG-Tochter MCDT AG im letzten Jahr täglich annähernd 1000 Digitalradiogeräte über Ladentisch gegangen seien. Unabhängig davon, dass unsere offen gestellte Frage nach den fünf Herstellern, welche den grössten Anteil an diese beeindruckende Zahl geleistet haben, bis heute noch immer unbeantwortet bleibt, schauen wir ganz gespannt auf die weitere Entwicklung.

Verschiedene Anbieter haben sich in den letzten Wochen wieder sang- und klanglos von DAB+ verabschiedet. Vieles wurde zu Beginn der Einführung von DAB Digitalradio richtig gemacht. Doch offenbar führten diese anfänglichen Erfolge primär zu einer Art Selbstbeiweihräucherung einzelner Akteure aus den Reihen der DAB+ Lobby und letztendlich eben auch dazu, dass man die Augen vor gewissen Trends und Entwicklungen heute gänzlich verschliesst.

Jedenfalls fehlt es heute weitgehend an neuen Impulsen, welche die Attraktivität von DAB+ auch in Zukunft erhöhen könnten. Ausgerechnet etwas anders klingende Formate wie Radio 1, Radio 105, BlueSky Radio oder RougeFM sind in der Deutschschweiz nicht mehr Teil des DAB+ Angebots - aus unterschiedlichen Gründen, wohlbemerkt. Dass das Angebot währenddessen um gleich klingende Programme wie Radio Basilisk oder Radio 32 erweitert werden soll, erhöht dessen Attraktivität auch nicht gerade massgeblich. Die Arbeitsgruppe Digimig, in welcher sich nebem dem BAKOM und der SRG auch der Verband Schweizerischer Privatradios (VSP), die Unikom Radios sowie die Privatradios der Romandie zusammengeschlossen haben, wird wohl primär das Ziel verfolgen, das analoge Angebot mehr oder weniger 1:1 auf DAB+ zu portieren.

Währenddessen dreht sich die Welt weiter. Die Hörer sind sich zunehmend gewohnt, nicht mehr alles zu schlucken, was ihnen serviert wird. Die vernetzte Welt verschafft dem Hörer endlich den Zugang zu schier grenzenloser Vielfalt. Livestreams und Audio on Demand sorgen zudem für noch mehr Individualität. Mit dem Aufkommen von Smartphones und Tablets ist der Zugang schon heute einfacher denn je. Dabei bleibt der Hörgenuss natürlich nicht bloss auf die Wiedergabe über Kopfhörer oder den eingebauten Speaker beschränkt. Bluetooth Streaming und andere Wireless Technologien machen es schon jetzt möglich, ganze Räume mit einem ebenso satten Sound zu versorgen, wie es uns die DAB+ Werbung verspricht.

Durchsetzen wird sich letztendlich, wer mit der smartesten App aufwarten kann. Dass der Einbezug von Social Media Kompenenten darüber hinaus auch unbegrenzte Möglichkeiten in Bezug auf die Hörerbindung eröffnet, wird die Broadcaster dereinst zusätzlich freuen. Sie alle werden eines Tages auch noch darauf kommen. Kommt Zeit, kommt Rat.



Freitag, 31. Januar 2014

Radio 105 bleibt digital

Wie allgemein zu erwarten war, erfolgte die Einstellung des DAB+ Betriebs von Radio 105 kurz nach dem erfolgten Relaunch. Momentan kann bloss darüber spekuliert werden, wieviele Hörer das Programm tatsächlich über DAB+ verfolgt haben. Mit der Veröffentlichung der Hörerzahlen wird schlussendlich erstmals Klarheit darüber herrschen, indem man erstmals die Zahlen von 105 mit DAB+ Betrieb jenen des reinen UKW Betriebs gegenüber stellen kann.

Wie dem auch sei, Radio 105 ist selbstverständlich auch weiterhin digital präsent. Statt via DAB+ ist das Programm weiterhin über den Vektor Internet zu hören. Die eigene App könnte allerdings schleunigst ein Facelift vertragen. Die Qualität des Internet Streams ist im direkten Vergleich mit ausländischen Programmen des gleichen Formats doch eher dürftig. Zudem verfügt die heutige App über keinerlei interaktive Features. Hier liegt jedoch die Zukunft: Hörerbindung durch Förderung der Interaktion! Dass man obendrein künftig auch haargenau sagen kann, wieviele Hörer zu welchem Zeitpunkt über den digitalen Vektor eingeschaltet haben, ist ein weiterer Vorteil des Internet Streamings.

Die eigentliche Zielgruppe wird eine kostenlose App mit coolen Features sodenn wohl auch viel dankbarer aufnehmen, als dies bei DAB+ Radios der Fall war.



Sonntag, 26. Januar 2014

Wie lange lässt die DAB+ Aufschaltung von Couleur 3 noch auf sich warten?

Lange Zeit hiess es von Seiten der SRG, eine DAB+ Verbreitung von Couleur 3 in der Deutschschweiz sei aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Spätestens seit der Abschaltung von WRS World Radio Switzerland im vergangenen Spätsommer wären die dazu erforderlichen Kapazitäten jedoch vorhanden.

Mit einer Aufschaltung von Couleur 3 würde das Digitalradio auf Basis von DAB+ weiter an Attraktivität gewinnen. Zudem könnte damit auch ein aktiver Beitrag an den vom BAKOM geforderten Sprachaustausch geleistet werden. Bedenkt man, dass das BAKOM erst vor einem guten Jahr die Förderung des sprachregionalen Austauschs als verbesserungswürdig taxiert hat, ist es noch viel unverständlicher, dass diese Chance bis heute ungenutzt bleibt. Wie schon beim Tunnelausbau scheint man hier ganz einfach mal zuzuwarten. Logisch, dass sich interessierte HörerInnen den Zugang zu Couleur 3 zuweilen via Internet Streaming oder Smartphone App holen. Diese Hörerschaft wird sich später kaum mehr hin zu DAB+ bewegen lassen.

Montag, 13. Januar 2014

DAB+ Markt Schweiz: Täglich gegen 1000 Geräte verkauft!

Beeindruckt von den gemäss MCDT "gesicherten Facts und Figures" zum DAB+ Markt Schweiz realisieren wir allmählich, welche Erfolgsstory mit DAB+ Digitalradio in der Schweiz gelandet wurde. In einem Kommentar in der Werbewoche liess die für die Vermarktung von Digitalradio in der Schweiz zuständige MCDT AG letzte Woche durchblicken, dass im Jahre 2013 gegen 350'000 DAB+ Radios verkauft wurden. Jetzt noch davon sprechen zu wollen, dass DAB+ nicht beim Hörer angekommen sei, ist somit definitiv nicht angesagt. Immerhin entspricht die Gesamtzahl verkaufter DAB+ Geräte einem täglichen Ausstoss von annähernd 1000 Units. Gehen wir davon aus, dass ein entsprechendes Empfangsgerät im Laden noch immer zu mindestens 40 Franken verkauft wird, entspricht dies einem erzielten Umsatz von mehr als 14 Mio. Schweizer Franken. Eigentlich unverständlich, weshalb unter Betrachtung dieser Sachlage der Verband Schweizer Privatradios (VSP) noch immer glaubt, durch seine Mitwirkung und die Gründung der sog. Arbeitsgruppe Digmig den "Karren aus dem Dreck ziehen" zu müssen, um DAB+ endlich zum Erfolg zu führen. Die Kooperationspartner der SRG Tochter MCDT AG - allen voran Brack, EP ElectronicPartner / Expert, Melectronics und der Hersteller PURE - scheinen mit ihren Kampagnen einen dermassen guten Job zu machen, dass man wahrlich nicht von einem Misserfolg sprechen darf.

Mittwoch, 28. November 2012

Bye bye, Schweizer Radio DRS

Am 16. Dezember scheint's nun also endgültig soweit zu sein. Radio DRS wird Geschichte sein. Ueber Nacht mutieren die Programme zu Radio SRF oder so.

Vielleicht sehe ich dies nun etwas gar nostalgisch. Und trotzdem: SWR 3 hat für mich definitiv nicht mehr den Spirit von SWF 3. Weshalb sollte dies bei SRF Radio 3 anders sein? DRS 3 hat uns in den letzten knapp 30 Jahren immer wieder begleitet. Der Groove der 80er Jahre ist aber ohnehin schon lange auf der Strecke geblieben und DRS 3 längst zur Servicewelle verkommen. DRS 3 klingt heute etwas so, wie Bayern 3 in den 80ern. Höchste Zeit also, sich wieder was ganz neuem zuzuwenden! Schon länger liebäugle ich damit, mir eine Art "Smart Radio" ins Auto zu holen. Dieses Thema gewinnt für mich nun definitiv an Priorität.

Sonntag, 15. April 2012

WDR Sportradio vs. 90elf: Eigentor der Privaten

Wenn an einem Platz, an welchem bereits seit Jahren eine McDonald’s Filiale steht, neu auch Burger King ein Lokal eröffnet, beschert dies dem ersten Anbieter meistens ebenfalls neue Kunden. Mit Sicherheit hätte sich der Start eines WDR Sportradios – welches bekanntlich unter dem Namen WDR.Event nur zeitweise auf Sendung gewesen wäre – ebenso positiv auf das Digitalradio in Deutschland ausgewirkt und auch dem bereits präsenten Anbieter 90elf langfristig neue Zuhörer beschert.

Nun intervenierte aber der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) dermassen heftig, dass der WDR bereits wieder von seinen Plänen für das ergänzende Zusatzangebot absieht. Für die Attraktivität von DAB+ Digitalradio in Deutschland wäre ein derartiges Format aus dem Hause eines starken Players wie dem WDR in jedem Fall ein Gewinn gewesen. Bleibt zu hoffen, dass es die privaten Veranstalter nun aus eigener Kraft fertig bringen, neue Hörer für ihr Angebot auf Digitalradio zu begeistern.